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Von einem eitlen Maulwurf namens Bo

Bo, der Maulwurf, wohnte in einer kleinen Höhle unter einer großen Wiese. Dort schaute er sich den lieben, langen Tag in einem Spiegel an und was er sah, gefiel ihm überhaupt nicht. Die spitze Nase und die Knopfaugen passten ihm nicht; er schämte sich seiner kräftigen Schaufelhände und überhaupt kam er sich nur peinlich vor.Das schlimmste aber war sein Fell. Was hatte sich sein Erfinder bloß dabei gedacht? Mit diesem grauschwarzen Anzug, so war er überzeugt, konnte er sich in der Welt da oben nicht blicken lassen, schon gar nicht in Gesellschaft anderer Maulwürfe. Dabei war er der einzige Maulwurf weit und breit in der Gegend. Seine Artgenossen, sowie Fuchs, Hase, Igel, Maus und wer sonst noch auf und unter der Wiese gewohnt hatte, nahm vor Jahr und Tag freiwillig Reißaus. Das ewige Gejammer war einfach unerträglich geworden. Eines Tages machte ein Adler Rast auf einem Baum welcher am Eingang zu Bo´s Höhlenwohnung stand. Er putzte sich gerade die Federn als es aus dem Erdreich unter ihm plötzlich jammerte und seufzte. Er horche verwundert, flog vom Baum herunter und rief: „Hallo, braucht da jemand Hilfe?“„Gäht net, gäht nät!“, grummelte es zurück. Ein spitzes Näschen und zwei Knopfaugen schauten aus dem Loch hervor, „ aber überaus nätt, dass sie fragen.“„Was ist denn passiert?“, fragte der Adler teilnahmsvoll. „Ach“, schniefte Bo, „sehen sie mal hin,“, er streckte ihm beschwörend die Hände entgegen, „solche Schaufelhände, diese Nase und dann noch dieses Fell ;ich schäm mich noch zu Tode.“ „Aber ...,sie sind doch ein Maulwurf wenn ich mich nicht irre und ... Maulwürfe sehen nun mal ... so aus.“„Das können sie gar nicht beurteilen!“, keifte ein beleidigter Bo, „überhaupt, sie und ihresgleichen, sie fliegen hoch über der Erde und wissen gar nichts von uns hier unten.“ „Natürlich weiss ich von ihnen“, der Adler konnte sich die spitze Bemerkung nicht verkneifen: „schließlich hab ich sie ja gleich erkannt. Wir sehen sie sehr gut von da oben.“„Pah“, patzte Bo zurück "kein Wort glaub ich ihnen. Der Adler beugte seinen Kopf zu Bo herab: „Steigen sie auf! Ich lade sie zu einem kleinen Rundflug ein.“ Erschrocken und fasziniert zögerte Bo einen Moment. „ Das kann ich nicht annehmen.“ Das Angebot, einmal die Welt aus dieser anderen Perspektive zu sehen,war durchaus verlockend. „Nehmen ´s die Gelegenheit wahr!“, lachte der Adler und schüttelte sein Gefieder zurecht und zwinkerte ihm zu: "Sie werden als erster fliegender Maulwurf in die Geschichte eingehen. Alle Maulwürfe dieser Welt werden sie darum bewundern und beneiden.“ Recht hatte dieser nette, große Vogel da vor ihm. So ein Angebot konnte man nicht ausschlagen. Neugierig krabbelte Bo auf den breiten Adlerrücken, kniff die Augen zu und klammerte sich im Gefieder fest.Mit einem kraftvollen Stoss hob der Adler vom Boden ab und stieg rasch in den blauen Himmel hinein. Nach einiger Zeit öffnete Bo zögernd seine Augen und schaute sich um. Wie anders seine Welt von hier oben aussah. Die Wiese unter der er lebte, war so groß wie ein Ahornblatt. Kleine Punkte und Striche bewegten sich auf schmalen Wegen. Das waren Menschen. Kleinste Farbtupfer auf den grünen Flächen die unter ihnen dahin zogen, waren Blumen Dort unten waren sie doppelt so groß wie Bo.„Achtung!“, rief der Adler und gleich darauf wurde alles weiß und feucht um sie herum. „War nur eine Wolke“, beruhigte er den Fluggast. „Wie? Sie können da einfach so durchfliegen?“ Bo hatte immer geglaubt, diese weißen Gebilde am Himmel wären so schwer und hart wie die Erde durch die er sich tagein, tagaus durch wühlte.„Da vorne ist ihre Verwandtschaft“, rief der Adler, "ein ganzes Dorf!“ " Wo denn?" Bo sah nix und lehnte sich ganz weit zur Seite.Plötzlich tat es einen gellenden Schrei -„HILLLFFFÄÄÄ!“ Eine Windböe riss den Fluggast mit sich und der stürzte nun wie ein kleiner Stein zur Erde. Dort landete er zwischen zwei Erdhügeln des Maulwurfdorfes. Staub und Gras wirbelten auf. Die Dorfbewohner reckten erschrocken ihre Nasen aus den umliegenden Erdhügeln. Sie hielten die Erschütterung für ein Erdbeben. Während sich der Staub langsam legte, erkannten sie einen ihrer Verwandten und umringten ihn. Der Älteste im Dorf, der auch Arzt war, untersuchte den Verunglückten und stellte fest, dass dieser ohnmächtig war. Er liess drei Eimer kaltes Wasser holen und schüttete sie über ihm aus. Verwirrt kam Bo zu sich und hielt sich stöhnend den Kopf. Inzwischen war auch der Adler gelandet und hielt sich taktvoll im Hintergrund. Bo rieb sich die Augen und schaute verduzt in fünfzig Maulwurfgesichter. Die glotzten genauso verduzt zurück und es kam ihm vor, als blickte er in fünfzig Spiegel. Alle trugen die gleichen Felle, hatten die gleichen Schaufelhände, die gleichen Augen, die gleichen Nasen. „Wie geht´s ihnen?“, fragte jemand mitfühlend. „Hier tut´s weh,“ klagte Bo und hielt sich den Kopf. „Was ist passiert, wie komme ich denn hier her?“ Der Adler räusperte sich und trat hervor. „Wir haben einen kleinen Rundflug gemacht, sie wollten ihre Verwandtschaft sehen.“ Die umstehende Maulwurfgemeinde schüttelte verwundert die Köpfe. "Wieso kamen sie denn nicht auf normalem Weg zu uns, so wie jeder Maulwurf?",fragten sie. Der Dorfälteste schlug sich die Hände zusammen und sprach: „Da können sie Gott danken, daß sie ein so dickes Fell haben. Alle Knochen hätten sie sich brechen können und tot wären sie gewesen!“Es ist nicht überliefert, was Bo der Dorfgemeinschaft erwiderte, aber man hat seitdem nie wieder einen nörgelden, jammernden Bo gehört oder gesehen.ENDE
21.2.16 11:08
 
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